Schmerz, mein treuer Freund

06.07.2017

 

Lieber Schmerz

 

du kamst zu mir in einem Moment des Selbstzweifels und der Selbstverurteilung. 

Du hast dich zu mir gesellt, dich über meine Muskeln in mein inneres geschlichen, dich ausgebreitet, mich auf Schritt und Tritt begleitet. Nicht nur das, du hast dich auch Nachts zu mir ins Bett gelegt, bist mir nicht von der Seite gewichen. Du warst da, zu jederzeit, auch als ich dich verflucht und beschimpft habe. Du hast dich nicht irritieren lassen, bist geblieben, treu. 

 

Du hast dafür gesorgt, dass ich mich im Aussen fast nicht bewegen konnte, hast mich flach gelegt. Hast dich mit mir auf mein Sofa gelegt, Stunden, Tage, Wochen, Monate. Du hast mir aufgezeigt, dass die Antworten zu meiner Selbstverurteilung nicht im Aussen liegen, sondern ganz tief in mir drin. Du hast gebohrt und gestochert bis Schicht für Schicht meine tiefsten Ängste ans Licht kamen. Ängste die in meinem sehr aktiven Leben nie den Raum hatten gesehen zu werden, ich hab Sie mit Ablenkung und Aktivität immer wieder ins Verdrängen geschickt. 

Noch keiner, mein lieber treuer Schmerz, hat mir so treu zur Seite gestanden um in diese tiefen Abgründe zu schauen.......

Noch keiner hat mir dabei so geholfen wie Du. Noch keiner war so hartnäckig und willig, da hin zu schauen, wo es weh tut, wo der Tod lauert, wo das Vergessen anfängt. 

Woher hast du gewusst, dass die Zeit reif ist, die Dämonen der Urängste zu entlarven, sie aus der Dunkelheit zu befreien. Woher hast du gewusst, welche Kraft in mir schlummert, wenn diese Ängste keine Kontrolle mehr haben über mich? Woher hast du gewusst, welche Freiheit mich Willkommen heisst?

Hast du es gewusst? 

 

Du mein lieber treuer Schmerz, hast mich dazu gebracht mich zu befreien. Du hast mich dazu gebracht, meine Grösse und meine Kraft anzunehmen. Du hast mir geholfen zu verstehen, dass wenn das Universum mich anders gebraucht hätte, mich auch anders gemacht hätte. Du hast mir gezeigt, dass ich genau richtig bin, so wie ich bin. Mit aller Ver-rückt-heit, mit aller Magic, mit der ganzen Tiefe und mit der ganzen Weite. Ja, du warst es, der mich dazu gebracht hat mich zu lieben und zu ehren, so wie ich bin, in guten und in schlechten Tagen, in Gesundheit und in Krankheit, bis dass der Tod.... du weisst schon! 

 

Niemand hat das Recht mir zu sagen was richtig und was falsch ist. 

Niemand hat das Recht mir zu sagen, was sich gehört und was Frau tun sollte. 

Niemand hat das Recht über mich zu urteilen. 

Niemand... 

Nicht einmal Ich......

Nicht einmal Ich......

 

Ich bin alles und kann alles. Alles was wichtig ist, für mein sein. Alles was von mir gebraucht wird liegt längst in mir. Alles was das Leben von mir verlangt, wurde mir schon längst geschenkt. Es ist alles da! 

Wenn ich es zu lasse......

 

Und nun, mein lieber Schmerz, bin ich fast etwas traurig dich gehen zu lassen... 

Ich wünsche mir, dass du mich nicht ganz aus den Augen lässt. Ich wünsche mir, dass du dich wieder zu mir legst, falls ich vergesse, das ich genau richtig bin, wie ich bin. 

Ich danke dir, aus meinem tiefsten innern für deine Treue, deine Hartnäckigkeit, dein da sein und deine Begleitung! 

 

Hörst du.... es hat an der Türe geklopft, Freiheit und Mut sind da..... meine neuen Begleiter. Sie werden mir genauso treu zur Seite stehen, mich begleiten auf Schritt und Tritt. Sie öffnen mir die Tür, sie locken mich aus meinem Versteck, Sie nehmen mich an der Hand, Freiheit links, Mut rechts und treten mit mir ins Leben hinaus. Hinaus in die Welt um mich zu zeigen. Mit Ihnen an der Hand werde ich alles sein können, was ich sein soll, werde ich alles tun können was ich tun soll.

Denn ich lasse es nicht mehr zu, dass ich mich, mir selbst und allen anderen, vor enthalte! 

Ich habe deine Lektion verstanden und ich verspreche dir die beste Version von mir selbst zu sein ab jetzt bis... du weisst schon.

Lebe wohl..... mein lieber treuer Schmerz. Ich verabschiede dich, damit du einem anderen Menschen helfen kannst, so wie du mir geholfen hast. 

 

bye bye..... 

 

 

 

 

 

 

 

 

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©2020 MaHoiko ANITA VÖGELI